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Zeitkollegen

Lieber Leser,

gleiche Arbeit - gleicher Lohn, sollte man meinen... 
Aber was ist schon gleich? 
Was ist gut und was weniger gut? 


Diese Entscheidungen obliegen der Einstellung eines jeden Einzelnen. Gleich sind die Anforderungen an die Stammbelegschaft sowie an die direkt daneben arbeitenden Leihkräfte von Zeitarbeitsfirmen. Leihkräfte, oder besser gesagt Kollegen – oder noch besser ausgedrückt Zeitkollegen. Die Zeitkollegen verrichten exakt dieselbe Arbeit, mit dem Unterschied, dass nicht nur die Zeit gegen sie läuft. Die Anstellungen sind befristet, werden in der Regel für je 3 weitere Monate verlängert, die Zukunft ist ungewiss. Die Bezahlung ist weit unterhalb dessen was Stammangestellte verdienen. 

Hier erlaube ich mir die Urteile: 

  • Das ist die GLEICHE Arbeit. 
  • Das ist nicht das GLEICHE Gehalt.
  • Das ist nicht GUT. 

Unterschiede erklären sich durchaus aufgrund von Boni- oder Gratifikationszahlungen, dies steht hier nicht zur Debatte. Oft ist bereits bei neuen Festangestellten das Einstiegsgehalt höher als bei den Zeitkollegen, selbst wenn diese bereits 9 oder 12 Monate vorher begonnen haben. 
In Frankreich werden Leiharbeiter mit 10% über dem Gehalt eines vergleichbaren Stammangestellten vergütet – als Ausgleich für die Flexibilität sowie als „Entschädigung“ für die kurze und unsichere Anstellung. 
Muss der Arbeitsplatz trotz einwandfrei erbrachter Arbeitsleistung nach einem gewissen Zeitraum gewechselt werden, verstärkt das die Einstellung der Zeitkollegen, ausgenutzt zu werden. Und dies letztendlich nur, um nicht festangestellt zu werden (werden zu müssen). 
Wie soll etwas wachsen, wenn ständig „die Wurzeln ausgerissen werden“? Oder soll hier nichts wachsen und entstehen? Reines Arbeitsvieh, so kommt sich die Mehrzahl der Zeitkollegen vor. 
Wie soll ein Unternehmen davon profitieren, die Jahresbilanz ausgeschlossen. 
Ist diese wichtiger als zufriedene und produktive Zeitkollegen? 
Sind Stammangestellte GLEICHER? 

Abgesehen von der Arbeitnehmerüberlassung sind Werks-, Pauschal- oder von Gewerkschaften ausgehandelte Tarifverträge weitere Probleme. Letztere wurden von diversen Gewerkschaften durchgeboxt – ausgenommen von den ausgehandelten Vertragsverbesserungen sind die Leiharbeiter und Abrufkräfte. Lohnerhöhungen, angepasster Urlaubsanspruch oder Streikgeld gelten in den meisten Fällen nicht für Zeitkollegen. 

Dies fördert Frust, hindert Motivation und unterdrückt das Potential, welches die Zeitkollegen mitbringen.

Wie Sie diesem Teufelskreis die Hörner stutzen, verrate ich Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Beste Grüße

Markus C. Grill